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Wettlauf mit der Invasion der Borkenkäfer im Stadtwald

Während die meisten schon an den nahen Urlaub denken, plagen den Radolfzeller Revierförster Gerhard Heizmann «bohrende» Sorgen: Der Borkenkäfer breitet sich bedingt durch das schöne Wetter seit Wochen in ungeahntem Ausmaß (nicht nur) in den Radolfzeller Waldungen aus. Bei einer Begehung auf Anregung von Hermann Leiz konnte sich eine Delegation von Radolfzeller Gemeinderäten von dem Schaden und der rasanten Ausbreitung besonders in den Radolfzeller Wäldern auf Singener Gemarkung westlich des Kieswerks überzeugen. In rund 40 Jahren Berufserfahrung hat G. Heizmann eine solche Zunahme noch nicht erlebt und mit Hochdruck versucht er derzeit mit beauftragten Unternehmern im Wettlauf die Invasion der Borkenkäfer zumindest zu bremsen, doch gibt es nur eine kleine Chance, dass einzelne Fichten das Zerstörungswerk überleben können.

Nicht zuletzt verursacht durch den Klimawandel und die deutliche Erwärmung findet der Borkenkäfer ideale Bedingungen zur Ausbreitung vor und was die Teilnehmer besonders überraschte, dass sogar Jungfichten und auch bislang geschützte höhere Lagen wie Liggeringen davon betroffen sind. Wie wichtig ein rasches Handeln ist, verdeutlicht die Tatsache, dass der Borkenkäfer inzwischen nur fünf Wochen benötigt, um die nächste Generation auf die Reise zu schicken und eine befallene größere Fichte weist an die 100 000 «Buchdrucker» und «Kupferstecher» - die bei uns am häufigsten Borkenkäferarten – auf. Beide teilen sich das «Opfer», «Buchdrucker» bohren sich in die Borke und die «Kupferstecher» befallen die Baumkrone. Gesunde Fichten reagieren im Normalfall mit vermehrter Harzproduktion und auch die natürlichen Feinde wie Spechte und Wespen wehren ab, bewältigen die Invasion jedoch nicht. Noch verzichtet man auf einen Kahlschlag, markiert die einzelne Bäume und versucht sie möglichst schnell zu fällen und abzutransportieren, doch die Zeit läuft davon. Durch die vorbildliche Kooperation zwischen Stadt und Landkreis, z. B. durch den raschen Verkauf durch die Holzverkaufsstelle des Landratsamtes Konstanz, kann wenigstens der finanzielle Schaden und die weitere Verbreitung durch die Lagerung im Wald geringer gehalten werden. Ältere Bürger erinnern sich an den Borkenkäfer-Befall nach dem Zweiten Weltkrieg in Markelfingen, als der Ort zum Notstandsgebiet ausgerufen wurde, nicht zuletzt nach den außerordentlichen Hieben der Besatzer. Binnen drei Monaten mussten mehr als 10 000 Festmeter Käferholz aus dem Wald geschafft werden. Von August bis Oktober 1947 mussten alle Einwohner von 16 bis 65 Jahren bis zu vier Tage Waldarbeit leisten (Q. Gemeindechronik Markelfingen). Dies scheint den Radolfzeller Bürgern 2017 zwar erspart zu bleiben, doch schon jetzt zeichnet sich ab, dass mindestens 5000 Festmeter Fichtenholz allein im Radolfzeller Stadtwald geschlagen werden müssen. Ein verfallenes Denkmal im Markelfinger Wald erinnert an die Katstrophe von 1947 und der Ortschaftsrat erwägt derzeit, passend zu diesem Jahr, dessen Erneuerung. Die zunehmende Erwärmung wird es mit sich bringen, dass mittelfristig weitere Schädlinge unserer heimischen Natur zusetzen werden, denn die Vorboten wie der Obstbaumzünsler und die Edelkastanien-Gallwespe haben sich schon bis in die Schweiz und nach Frankreich ausgebreitet. CS

 


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